„Kila mutu achukue mpira moja“

An die SG Rosenhöhe Offenbach 

„Jeder schnappt sich einen Ball!“ Ich kann mich an keinen meiner Trainer erinnern, der diesen Satz, oder eine seiner Varianten, ausließ. Ball führen, Ball stoppen, Ball spielen, schießen. Das Zusammenspiel ist eine Kunst, die individuellen Fertigkeiten sind die Grundlage des schönen und erfolgreichen Fußballspiels. Das muss geübt werden.

Für die meisten fußballverrückten Kids in Kenia sieht es anders aus. Die Tore sind aus zwei Stöcken, der Ball ist eine Kugel aus Stoff und Plastiktüten, von einer drumgewickelten Kordel zusammengehalten. Gekickt wird barfuß, Stockfehler sind Teil des Systems. Den ersten richtigen Ball gibt es eventuell in der Schule und der ist auch nur erreichbar, wenn die Älteren die Kleineren lassen. Die meisten unserer Spielerinnen und Spieler haben so angefangen. Als sie im Alter von 9 bis 12 Jahren zum Shinyalu Youth Sports Center stießen, gab es dann richtige Bälle – ganze drei für ca. 15 bis 20 zusammen trainierende Fußball-Kids. Das macht es nicht leichter gegen die Stockfehler anzutrainieren.

Meine Mutter ist auf Besuch und hat mehr als zwei prall gefüllte Taschen mitgebracht: Trikots, Schuhe, Torwartausrüstung, Hütchen und Bälle, Bälle, Bälle. 

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Donnerstag, 20. Juli 2017, heute ist endlich der gesamte Vorstand zusammen und es wird ausgepackt. Coach John nimmt mich beiseite: „Das ist großartig“, sagt er aufgeregt und macht sich mit den anderen daran, alles zu begutachten und zu katalogisieren – es darf und soll nichts davon verloren gehen. Am Sonntag stehen Freundschaftsspiele auf dem Programm. Die Kids sind begeistert, sie bewundern Trikots, Hosen, Stutzen. Und alle können heute in Schuhen spielen – das ist ein guter Tag.

Auch abseits des Platzes atmen wir auf. Das dringlichste Problem, die Ausstattung, können wir erst mal vertagen. Als nächstes steht die Ferienplanung an, Training, Mittagessen und nicht zuletzt schulische Nachhilfe für die Kinder müssen organisiert und Turniervorbereitungen vorangebracht werden, und immer wieder der fast aussichtlose Kampf um die Unterstützung durch die Kommune, um lokale oder regionale Sponsoren. Am Geld fehlt es eben überall.

Aber das Wichtigste, die Arbeit auf dem Platz, hat einen gewaltigen Sprung nach vorne getan.

Möglich geworden ist das alles dank Euch, SG Rosenhöhe Offenbach. Insbesondere durch das Engagement meines ehemaligen Trainers Steven Kessler und des Vorstandsmitglieds Tobias Sauter. Sie haben auf meinen Hilferuf hin diese Aktion organisiert, bei denen diverse Teams ihre Bestände durchforstet und die Spielerinnen und Spieler ihre Schränke ausgeräumt haben. Vielen Dank an alle, die organisiert, koordiniert, kommuniziert, geholfen und gespendet haben. Dank auch an meine Familie, die für das Übergepäck zusammengelegt hat und insbesondere an meine Mutter, die das Spendengepäck sicher hierher gebracht hat. 

Ihr alle habt dazu beigetragen, dass Coach John, die Kids, der Vorstand, und auch ich, viel fröhlicher in die nächste Zukunft schauen. Und was nie vergessen werden darf. Der Jugendfußball und die Talentförderung liegen in Kenia weitestgehend in den Händen der Schulteams der weiterführenden Secondary Schools. Die kosten aber Schulgeld.  Je besser unsere Kids kicken können, umso begehrter sind sie bei den Schulteams und so wächst ihre Chance, dass das Schulgeld erlassen wird. Kicken können und eine gute Schulbildung als Start in ein besseres Leben hängen in Kenia für viele junge Menschen eng zusammen. Mit Eurer Hilfe wird auch das in Zukunft leichter. 

Im Endspiel um die kenianische U-19-Schulmeisterschaft der Mädchen standen dieses Jahr 8 Spielerinnen in den beiden Startaufstellungen, die ihre ersten Fußballschritte im Shinyalu Youth Sports Center gelernt haben, bevor sie zu den Schulteams wechselten. Zwei von ihnen wurden anschließend zur U-19-Mädchennationalmannschaft eingeladen. Auch daran können wir jetzt auf höherem Niveau weiter arbeiten. Und ich freue mich darauf, demnächst beim Training endlich auch sagen zu können: „Kila mutu achukue mpira moja„. Und jeder schnappt sich einen Ball.

P.S. In eigener Sache: Wir haben die darnieder liegende Herren-Mannschaft von Shinyalu United reanimiert. Jetzt kicke ich selbst wieder um Punkte (5 aus den ersten drei Spielen), in der untersten kenianischen Liga.

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